Das Älterwerden feiern

Im Sommer 2016 hatte ich mein erstes Rezidiv – vier Jahre nach der Erstdiagnose Brustkrebs und nur wenige Wochen vor meinem 50sten Geburtstag. Mein Blutdruck war wie ein D-Zug und mein Gesicht glich einem auf Krawall gebürsteten Kugelfisch – aufgrund eines fetten Tumors im vorderen oberen Mediastinum, der die Vena Cava und die Vena Brachiocephalica durchbohrt hatte und so eine fette Einflussstauung verursachte…

Das war eigentlich so gar nicht feierlich!

 

   

 

So wie ich aussah und von extremer Kurzatmigkeit gebeutelt wusste ich nicht, ob ich feiern wollte und wenn, ob ich ein Fest überhaupt stemmen könnte. Denn eigentlich hatte ich vor gehabt rund 50 Frauen einzuladen – ich sammle „Weibliche Individuen“ und habe seit meiner Trennung auch nur noch „Girls only“-Feste veranstaltet.

Als ich der „sonnigen Sonni“ von meinen Überlegungen erzählte meinte sie „Wenn Du feiern möchtest, dann mach das bzw. ich mache das für Dich! Sag mir einfach nur, was Du brauchst…“

 

Bierbänke und-Tische mit hellen Hussen und Tischdecken

verspieltes Nostalgie-Geschirr mit altmodischem Besteck inklusive Milchkännchen und Zuckerdosen

eine große Kaffee-Pumpkanne für Filterkaffee

Eierlikör, Schwarzwälderkirsch- und Buttercreme-Torte

Likörchen und Kristallgläser

Omma-Blümchen (mit Schleierkraut) in Kannenvasen

…meine Wünsche waren Sonnis Befehl.

Und köstliche Petit-Fours sowie einen grandiosen Kaffeekannen-Kuchen (der anmutete wie aus Alice im Wunderland) gab’s noch als super süße Extras von Sonni dazu.

 

  

 

Statt – wie ursprünglich geplant – Bingo zu spielen wurde eine Tombola-Verlosung veranstaltet mit Omma-Devotionalien wie Lavendel-Duftkerzen, Groschenromane, Rätselheftchen, Katzen-Spardose, Klosterfrau-Melissengeist, Gehwohl-Bäder, Stützstrümpfe etc., welche meine stets hilfsbereite Nachbarin, die „heilige Maria“ für mich liebevoll in kitschiges Geschenkpapier verpackt hat. Am Tag selbst rückte ein Support-Trupp vor Beginn des Kaffeeklatsch an, um alles herzurichten und blieb auch nach dem Fest, sodass es bei mir sauberer und ordentlicher war als je zuvor. Außerdem kam als „Heileid“ („Desch is a Heileid! – ein Running Gag der Seeröschen, meiner Wandergruppe seit der ersten REHA) die quirlige Petra aus dem fernen Mittelfranken angereist.

Die Sonne strahlte mit meinem fetten Honigkuchen-Gesicht um die Wette. Und ich war glücklich. Bis heute bin ich dankbar, dass der Krebs an diesem Tag keinen Platz in meinem Leben hatte und ich einen wundervollen, unvergesslichen 50sten Geburtstag verleben konnte – thanks to a alot of help from my friends.

 

 

Bitte lächeln !

 

 

 

Ein Gedanke zu „Das Älterwerden feiern

  1. Super Idee! Merke ich mir für meinen 50. vor. Dieses Jahr übe ich schon mal – feiere meinen 45. mit einer Bergischen Kaffeetafel in einem Omacafe. Natürlich auch girls only!

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