Burgfrolleins im Odenwald

Seeröschen-Wander-WE 2018

 

Zum 5. Mal seit wir uns 2013 in der AHB in Scheidegg kennen gelernt und lieb gewonnen haben, ging es mit den „Seeröschen“ zum Wander-WE „in der Mitte“.

 

Die „Seeröschen“ – wie wir uns mit ironischer Bezugnahme auf ein Bild, das uns seinerzeit die völlig überflüssige Beckenbodengymnastik erleichtern sollte nennen – sind (inzwischen) sechs Frauen im Alter von Anfang 30 bis Anfang 60 aus Fürstenfeldbruck, Amberg, Obernzenn, Olpe, Leverkusen und Emsdetten.

Vier Brustkrebs- sowie ein Darmkrebs-Survivor und ich mit meinem metastasierten MammaCa. Zwei Tripple-Negative, drei Hormonrezeptor-Positive, mal mit Implantat, mal mit nur einer Brust und mal mit garkeiner, zweimal lediglich minimal invasive Tumor-Entfernung und einmal künstlicher Darm-Ausgang. Was wie eine total lädierte Invaliden-Truppe klingt ist eine außerordentlich gut be“wanderte“ Kampfeinheit.

 

 

 

Nicht umsonst nannte man uns in Scheidegg ehrfürchtig die „Pfändergruppe“. Damals haben wir unsere chemo- und OP-gebeutelten Körper 11 Kilometer weit, 377 hm bergauf und 182 hm bergab getrieben (als reine Netto-Wanderzeit waren 4 Stunden angegeben) – hinauf auf den 1.064 m hohen Hausberg des Bodensees: den Pfänder.

Daraus resultierten nicht nur ehrerbietige Blicke der anderen Glatzköpfe im Speisesaal der Paracelsus Klinik, sondern ein Erlebnis, das zusammenschweißt – und meine Lust am Wandern. Seither haben wir uns jedes Jahr jeweils für ein paar Tage im Spessart, in der Eifel, in Heidelberg und in der Rhön getroffen – halt irgendwo in der Mitte zwischen Oberpfalz und nördlichem Münsterland, zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen.

 

Als wir das Wander-WE 2018 planten hatte ich noch nicht meine vierte Runde Chemo begonnen und wusste daher weder mit welchen Nebenwirkungen ich mich ehrumschlagen müsste, noch ob ich überhaupt an dem Tripp würde teilnehmen können. Und selbst wenn ich „transportfähig“ wäre, so hatte ich Sorge, das Wandervergnügen der anderen auszubremsen.

 

        

       

 

Unsere Jüngste hat eine standesgemäße Ferienwohnung im oberhessischen Bensheim aufgetan.

Das Super-Special-Arrangement: am späten Freitag Abend sollten gleich zwei seltene astronomische Konstellationen sind am Nachthimmel über „unserer“ Burg Deutschland zu sehen sein: die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts und ein riesig wirkender, der Erde besonders naher Mars. Als astronomische Zugabe sollte pünktlich zum Höhepunkt des Himmelsspektakels auch noch die ISS vorbeifliegen.

 

Burgfrollein spielen auf
SCHLOSS AUERBACH

 

Das Auerbacher Schloss war einst eine der mächtigsten Burgen im südlichen Hessen. Als Erbauer der Burg (um 1222) gilt Diether IV. von Katzenelnbogen (dessen Name so klingt als wäre er eine Figur aus einer Spuk-Episode von Hui Buh, dem Schlossgespenst). Errichtet hat der gute Didi seine Burg, um die Besitzungen seiner Grafschaft südlich des Main zu sichern und Wegzoll zu erheben. Der Berg bzw. der bewaldete Buckel auf dem sich heute die beeindruckende Ruine befindet heißt übrigens „Kleiner Melibokus“, was auch ein prima Name für ein Wesen aus einer fantastischen Ritter und Drachen-Sage wäre.

 

 

Von der Burg aus haben wir sternförmig das Gebiet um uns herum befriedet. Und weil ich eindeutig zu platt für mehr als eine „Schlenderung“ war – Zwerchfellhochstand plus chemo-bedingte Kurzatmigkeit plus 33 °C im Schatten – hat Barb Pathfinder Ausflüge mit Mini-Wanderung ausbaldovert, die erstens sowieso nicht so lang waren und ich zweitens immer irgendwie abbiegen und abkürzen konnte. Ich war heilfroh, dass Sandi so gerne Macro-Aufnahmen von der Natur macht – denn die brauchen Zeit und Geduld – soviel wie eine anständige Verschnaufpause.

 

 

 

 

 

Ein paar von Sandis Macro-Aufnahmen

   

  

 

Waldbaden im
ODENWALD

 

Als der „Odenwald“ wird nicht etwa ein riesiger Wald, sondern ein Mittelgebirge im Südwesten von Deutschland bezeichnet. Das abwechslungsreiche Landschaftsmosaik besteht aus grünen Bergen, blühenden Streuobstwiesen und artenreichen Wäldern, die aber lediglich etwa ein Drittel der Gesamtfläche bedecken. Charakteristisch für den Vorderen Odenwald sind Laubmischwälder mit starken Buchenbeständen. Es gibt Kalk-Buchenwälder auf Löss, Eichen-Hainbuchen-Wälder auf Lehm und ab etwa 350 Meter Höhenlage Berg-Buchenwälder. Die Edelkastanie bildet an den sonnenexponierten Hängen am Abfall zur Bergstraße größere Bestände. Hier trägt zusätzlich der warme Luftstrom aus der Rheinebene dazu bei, dass Mandeln, Kirschen, Aprikosen, Forsythien und Magnolien meist zwei Wochen früher blühen als in unseren Breiten üblich. Der Termin für den Frühlingsanfang deckt sich mit dem der Po-Ebene in Norditalien.

 

SHINRIN YOKU

 

Geprägt wurde dieser Begriff, der übersetzt „Baden in der Waldluft“ bedeutet, 1982 vom japanischen Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Gemeint ist damit nicht das buchstäbliche Baden, sondern das achtsame Spazieren im Wald.

 

Dass ein Spaziergang an der frischen Luft sich sowohl auf unseren Körper als auch Geist positiv auswirkt ist nichts Neues. Inzwischen belegen Studien, dass bewusstes Waldbaden den Stresslevel senkt, das Immunsystem stärkt und sich selbst der Blutzucker reguliert.

 

 

In Japan wird Shinrin-Yoku von Ärzten als „Waldtherapie“ empfohlen, um Stress und degenerative Erkrankungen (zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems) zu bekämpfen. Selbst gegen Krebs soll das „Waldbaden“ helfen! Eine Studie der Nippon Medical School und der Universität Chiba ergab, dass Bäume und andere Pflanzen sogenannte Phytonzide von sich geben. Dabei handelt es sich um chemische Stoffe, die – wenn sie von Menschen eingeatmet werden – die Bildung von natürlichen Killerzellen im Körper fördern. Diese sind wiederum dafür bekannt, Krebszellen aufzuspüren und anzugreifen.

 

Der Vordere Odenwald ist der gegenüber der Rheinebene tektonisch herausgehobene und freigelegte Grundgebirgsstock des Odenwaldes im Höhenbereich von 200 bis 600 m ü. NN. Seine markanteste Erhebung ist der Melibokus am Westrand mit 517 m ü. NN. Die Landschaft bildet hier eine in sich geschlossene, jedoch reich gegliederte Einheit. So charakterisiert die Bezeichnung Kristalliner Odenwald die große Vielfalt das Gebiet hier an Gesteinen aufweist, wie Gneis, Diorit und Granit ebenso wie plutonischen Gabbro oder vulkanischen Rhyolith und Basalt. Eine Besonderheit stellen die Blockschuttüberlagerungen an steilen Hängen, die „Felsenmeere“ dar.

 

Über Stock und Stein zum
FELSENMEER

 

Der Verwitterungsprozess, der den Gesteinsblöcken der Felsenmeere ihr typisches Aussehen verleihen, wird in der Geologie als Wollsackverwitterung bezeichnet, bei der durch das Zusammenwirken von physikalischen und chemischen Prozessen kantengerundete Gesteinsblöcke entstehen, die wie Kissen, Matratzen oder eben wie Wollsäcke übereinandergestapelt liegen.

 

 

 

 

 

Und das kam so:

Im Erdaltertum teilten sich vor 380 bis 340 Millionen Jahren zwei große Urkontinente den Planeten. Infolge der Kontinentaldrift bewegten sich die beiden Großkontinente wie riesige Flöße aufeinander zu und begannen miteinander zu einem Urkontinent zu verschmelzen. Der Odenwald ist das Ergebnis der so genannten Subduktion im Zuge der Verschmelzung der beiden Urkontinente – eines Zusammenstoßes eines kleineren Floßes mit einem der großen Flöße. Dabei hat sich die Platte mit der höheren Dichte unter die andere Platte geschoben, diese erhoben und ist mit ihr verschmolzen. Die Gesteinsschmelzen stiegen dann langsam aus der Tiefe auf und kühlten sich in der Erdkruste ab. Der in etwa 12 bis 15 Kilometer Tiefe entstandene Quarzdiorit brauchte gut 10 Millionen Jahre um sich abzukühlen.

Im jüngeren Erdmittelalter wurde das Gebiet des heutigen Odenwalds dann durch den Anstieg des Meeresspiegels überschwemmt und von Ablagerungen überdeckt – es dauerte bis in das Tertiär das mehrere Kilometer starke Deckgebirge abzutragen.

Durch das Einbrechen des Rheingrabens vor etwa 50 Millionen Jahren und der damit einhergehenden Beugung der Grabenränder wurde das Aufsteigen des mächtigen Quarzdiorit-Intrusivkörpers bis an die Oberfläche unterstützt. Dabei entstanden Risse und Klüfte, die sich immer weiter vertieften und das Gestein schließlich in quaderförmige Blöcke zerteilten. Diese Blöcke waren nun an der Oberfläche dem subtropischen Klima und einer intensiven chemischen Verwitterung ausgesetzt, welche die Zersetzung der Gesteinsblöcke bewirkte – hauptsächlich an den Rändern.

Während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren wurde der Verwitterungsschutt, der sich um die Blöcke herum versammelt hatte ausgewaschen, da der Odenwald nicht vom Eispanzer bedeckt war, der Boden in den wärmeren Jahreszeiten ein Stück weit auftaute und das Wasser die Blöcke umspülte.

Mit dem Zurückweichen der Frostgrenze am Ende der Eiszeit kamen die nun freigelegten Blöcke in Bewegung, glitten die Täler hinab und bildeten das Felsenmeer.

 

Der Sage nach entstand das Felsenmeer in der Nähe von Reichenbach durch zwei Riesen. Der eine hauste auf dem Felsberg (Felshocker), der andere auf dem Hohenstein (Steinbeißer). Ihre „Riesenreiche“ wurden durch das Lautertal (Odenwald) getrennt. Als sie in Streit gerieten, bewarfen sie sich mit Felsbrocken. Der „Steinbeißer“ war im Vorteil, er hatte mehr Wurfmaterial. So kam es, dass der „Felshocker“ bald unter den Blöcken begraben wurde; angeblich hört man ihn noch gelegentlich darunter brüllen.

 

Fürstlich Lustwandeln im
STAATSPARK FÜRSTENLAGER

 

Mit der Entdeckung eines Mineralbrunnens zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte im heutigen „Staatspark Fürstenlager“ ein reger Kurbetrieb ein, der auch das Interesse der Landgrafen und Großherzoge von Hessen-Darmstadt erweckte. Für die vereinzelten fürstlichen Kuraufenthalte wurden kleine Gebäude errichtet, bis Landgraf Ludwig X. 1790 entschied in Auerbach das „Fürstenlager“ als regelmäßigen Sommersitz zu erweitern und auszubauen.

 

 

 

 

Die Gebäude des Fürstenlagers – wie Fremden- und Kavaliersbau, Prinzen- und Damenbau, Wachen und Remisen – sind liebevoll restauriert und erstrahlen in neuer alter Sommerfrische. Umgeben werden sie von einem 46 ha großen Park, in dem es exotische Pflanzen und Bäume gibt wie zum Beispiel einen der ältesten Mammutbäume Deutschlands (den wir allerdings übersehen haben).

 

 

 

 

 

 

 

Danke, Ihr lieben Burgfrolleins, dass ich mich nicht wie Aschenblödel gefühlt habe
und Ihr zudem mit Postkarten für den Kopf und Streicheleinheiten für die Seele (und die kahle Rübe)
meine Akkus, für die nächste Teilstrecke meines Lebens geladen habt.

 

 

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