Cocktailstunde

 

 

Metastasierter Brustkrebs?! Na dann Prost!

 

Aber auch bei Auftreten von Metastasen ist noch lange nicht die allerletzte Runde eingeläutet. Häufig ist ein längeres Überleben als erwartet möglich. In diesem Fall geht es darum, die Erkrankung so zu kontrollieren, dass man mit dieser – wie mit jeder anderen chronischen Krankheit – möglichst lange bei bestmöglicher Lebensqualität lebt!!!

 

Dabei gilt es Erreichbares zu erkennen, Gewünschtes zu besprechen – und die Therapien danach ausrichten. Kurativ? Palliativ? Supportiv? Mit diesen Begriffen beschreiben Onkologen die Zielrichtung – aber egal was ansteht, auch mit Metastasen ist nicht „Flasche leer“ *

                                                                             *… aus Trapattonis legendärer Wutrede vom 10. März 1998 als Trainer von Bayern München

 

…und dem möchte ich noch hinzufügen, dass ich noch im Spiel bin „Habe noch NICHT fertig!“

 

Es muss allerdings nicht immer „Chemo“ sein.

 

Eine Antihormon-Therapie kann eingesetzt werden, wenn der Tumor bspw. Hormonrezeptoren aufweist (ein solcher Behandlungsansatz ist meist auch nach einer antihormonellen Vorbehandlung möglich).

 

Mit Antikörpern ist es möglich die Signaltransduktion der Zellen zu unterbrechen. In diese Kategorie gehören Wirkstoffe wie Bevacizumab, dessen Ziel ist der Gefäßwachstumsfaktor VEGF ist. Cetuximab und Panitumumab richten sich gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor EGFR, und Trastuzumab hat den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2/neu als Ziel.

 

Als weitere Strategie wurden diverse niedermolekulare Tyrosinkinase-Hemmer entwickelt, um wichtige Andockstellen von Wachstumsfaktoren zu blockieren. Entsprechende Hemmstoffe wie etwa Erlotinib, Gefitinib und Lapatinib blockieren den epidermalen Wachstumsfaktor, haben aber oftmals noch weitere Zielstrukturen.

 

Tumorzellen reagieren zudem äußerst sensibel auf eine Hemmung des Reparaturenzyms Poly(ADP)Ribose-Polymerase (PARP). PARP-Hemmstoffe wie Olaparib machen Zellen nicht nur empfindlicher für Strahlen oder Chemotherapeutika – die Tumorzellen können ihre eigenen Schäden im Erbgut, wie sie durch eine der häufigen Mutationen entstehen, nicht mehr selbst reparieren – und es kommt zur Apoptose (Zelltod).

 

Auch das Immunsystem wird in eigener Sache vor den Karren gespannt: Wenn Tumorzellen auf ihrer Oberfläche hoch spezifische Antigene aufweisen, lassen sich dagegen Antikörper herstellen und natürliche Killerzellen anlocken. Als Zielstrukturen eigen sich hier CD-Antigene, an die Alemtuzumab, Ofatumumab oder Rituximab binden. EGF-Rezeptoren wiederum sind für Cetuximab sowie Panitumumab relevant. Schließlich wird die Krebszelle zerstört, während gesundes Gewebe keinen Schaden nimmt. Parallel dazu stärken Kollegen generell das Immunsystem durch Gaben von Interferon alpha oder Interoeukin-2.

 

Es gibt also einige Ziele an denen die unterschiedlichsten Therapeutika im Rahmen der Targeted Therapies (auch personalisierte Medizin) „andocken“ und den Krebs in Schach halten können.

 

Nur wenn keine spezifischen Rezeptoren auf den Tumorzellen vorliegen, antihormonelle Therapieverfahren nicht mehr ausreichend wirksam sind oder ein rasches Tumorfortschreiten vorliegt, welches wichtige Körperfunktionen bedroht, müssen Chemotherapien durchgeführt werden. Und derer gibt es auch eine ganze Menge – als 3-wöchentliche Infusionen, wöchentliche intravenöse Therapie in geringerer Dosis, in Tablettenform, als Einzelmedikament oder als Kombi-Cocktail etc.

 

Die Wahl der Behandlung sollte auf jeden Fall mit dem Onkologen gemeinsam getroffen werden – unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs, der Tumorausdehnung, den Begleiterkrankungen, der Vorbehandlung sowie individueller Lebensumstände und auch persönlicher Wünsche.

 

Und wenn begleitende Therapieverfahren hinzukommen – wie bspw. eine Strahlentherapie bei schmerzhaften oder frakturgefährdenden Knochenmetastasen oder Alternative Therapien – sollte bei der Kombination Therapien unbedingt eine enge Absprache der behandelnden Ärzte erfolgen.

 

Tatsache ist in jedem Fall allerdings, dass man in den nächsten Jahren Dauergast an der Cocktailbar sein wird – denn prinzipiell beinhaltet eine möglichst langfristige Kontrolle der Tumorerkrankung auch eine langfristig angelegte Behandlung.

 

Chemotherapien sollten von hauptamtlich in der medikamentösen Tumortherapie tätigen Ärzten durchgeführt, gesteuert und überwacht werden. Allerdings verlangt metastasierter Brustkrebs (und eigentlich jede andere Krebsart auch) nach besonderen Erfahrungen in eben diesem Bereich. Im Gegensatz zu zahlreichen europäischen Nachbarländern und den USA ist die Durchführung von Chemotherapien in Deutschland aber nicht einer spezialisierten medizinischen Disziplin vorbehalten, ebenso wenig wie die Begriffe Onkologie und Onkologe an eine Spezialisierung auf einem Fachgebiet gebunden sind. Fachärzte die medikamentöse Tumorbehandlungen durchführen sind in Deutschland die „Fachärzte für internistische Onkologie und Hämatologie“. Entscheidend für das Gesamtbehandlungskonzept sind zusätzlich aber eine umfangreiche, langjährige Erfahrung mit der jeweils spezifischen Erkrankung, den Wirkungen und Nebenwirkungen der entsprechenden Tumormedikamente sowie die Berücksichtigung typischer Begleiterkrankungen sowie besondere Kenntnisse in der unterstützenden Behandlung.

 

Wichtig ist nicht nur die Wahl des richtigen Cocktails, sondern auch wer die Zutaten im perfekt abgestimmten Verhältnis mixen kann.

 

Sofern aber eine gute Kontrolle der Erkrankung erreicht ist – bspw. durch Verkleinerung oder Wachstumsstillstand der Metastasen – kann auch überlegt werden, ob eine Therapiepause eingelegt werden oder zumindest die Behandlungsintensität verringert werden könnte. Dies kann eine Verlängerung der Therapieintervalle, ein Übergang von einer Chemo- auf eine Antihormon-Therapie mit geringeren Nebenwirkungen oder von einer Kombinationschemotherapie auf eine Monotherapie sein.

 

Und wenn die aktuelle Tumorsituation stabil ist, können sogar fast immer Urlaube (in Abstimmung mit den voraussichtlichen Zeitplänen einer Behandlung) gemacht werden. Urlaub bzw. Auszeiten sind sinnvoll!!!– um sich vom Chemo-Kater (bspw. nach einer intensiveren Behandlungsphase) körperlich und psychisch zu erholen.

 

 

Im Rahmen der „Cocktailstunde“ werde ich versuchen, nach und nach die relevantesten Therapeutika mit Wirkmechanismen und Nebenwirkungen
einzustellen – Kommentare mit eigenen Erfahrungen sowie Tipps zur Linderung der Nebenwirkungen sind mehr als willkommen.

 

 

Cocktails von A bis Z

Hier einige der wichtigsten Therapeutika – aufgelistet nach Handelsname® (Wirkstoff):

 

 

A


Afinitor® (Everolimus)

 

Angiogenese-Hemmer

 

Aromasin® (Exemestan)

 

Aromatase-Hemmer

 

Arimidex® (Anastrozol)

 

Avastin® (Bevacizumab)

 

Avista® (Raloxifen)

 

Azerra® (Ofatumumab)

 

 

B


 

Bisphosphonate

 

 

C


Carboplatin (Axicarb®, Carbo-cell®, Carbomedac®, Haemato-carb®, Neocarbo®, Ribocarbo®, Paraplatin (CH)

und diverse Generika)

 

CBD-Öl

 

Cisplatin

 

Curcumin

 

 

E


 

Endoxan® (Cyclophosphamid)

 

Erbitux® (Cetuximab)

 

Evista® (Raloxifen)

 

 

F


 

Farmorubicin® (Epirubicin)

 

Faslodex® (Fulvestrant)

 

Femara® (Letrozol)

 

 

G


 

Gemcitabin (Gemzar, Tabinell, Cytogembin, Ebegemcit, Gemcitara, Gemcapyr®)

 

GnRH-Analoga

 

Graviola (Stachlannone oder “Sauersack”)

 

 

H


 

Halaven® (Eribulin)

 

Herceptin® (Trastuzumab)

 

 

I


 

Ibrance® (Palbociclib)

 

Interferon alpha

 

Interleukin-2

 

Iressa® (Gefitinib)

 

 

L


 

Lemtrada® (Alemtuzumab)

 

Lynparza™ (Olaparib)

 

 

M


 

MabThera® (Rituximab)

 

Medikamenteneinnahme

 

Methadon

 

 

N


 

Navelbine® (Vinorelbin)

 

Nerlynx® (Naratinib)

 

 

R


 

Rick Simpson Hanföl

 

Rituximab (MabThera®, Rituxan®)

 

 

S


 

SERM

 

 

T


 

Tamoxifen (Kessar®, Mandofen®, Nolvadex®, Tamokadin® und diverse Generika)

 

Tarceva® (Erlotinib)

 

Taxane

 

Taxotere® (Docetaxel)

 

Tyverb® (Lapatinib)

 

 

V


 

Vectibix® (Panitumumab)

 

Verzenio® (Abemaciclib)

 

Vitamin K2

 

 

X


 

Xeloda® (Capecitabin)

 

 

Z


 

Zoladex® (Goserelin acetat)

 

Zometa® (Zoledronsäure)

 

Zytostatika (Zytotoxin)