Kollegin und Brandmarketing-Expertin

 

HASI

…kenne ich aus der Zeit (1999), als ich noch mit meiner zukünftigen ersten Geschäftspartnerin ein Büro in einer Werbeagentur teilte. Das Büro der Unit in der Hasi damals arbeitete, lag direkt neben unserem. Dort schuftete Hasi Tag ein Tag aus ebenso wie des Nachts und an Wochenenden für unseren menschenverachtenden Chef. Trotz immensem Druck war mit Hasi immer gut arbeiten. Aber irgendwann trennten sich unsere Wege. Damals ging das in unserer Branche schneller als man gucken konnte. Agenturen stiegen in Glanz und Gloria empor und versanken in Schutt und Asche… Mitarbeiter wurden mit goldenen Lorbeeren überhäuft, fielen irgendwann in Ungnade, hinterließen verbrannte Erde… Und inmitten der Zeiten der Cholera brannte Hasi für ihren Job – lichterloh. Ich kenne kaum jemanden, der sich derart aufopfernd eingesetzt hat.

 

10 Jahre nachdem sich unsere Wege beruflich zunächst getrennt hatten, traf ich Hasi auf einem Konzert von Freunden (Ihr Lebensgefährte spielte in der Band Gitarre). Und wir mochten wir uns noch immer. Also tauschten wir Kontaktdaten aus… Ein Jahr später fragte Hasi mit einem fetten, super interessanten Auftrag bei mir an – und ich durfte zusammen mit ihr, einem wahnsinnig begabten Grafiker und super offenen Kunden ein gut dotiertes Projekt an den Start bringen. Als der Job nach zwei Jahren auslief gingen Hasi und ich wieder unserer Wege. Hasi verließ im gleichen Jahr ihren damaligen Arbeitgeber, um beim Wettbewerb den nächsten Karriereschritt zu machen und ich verkaufte weiterhin täglich frische Buchstaben.

 

Erst als ich begann auf facebook über meinen Krebs zu schreiben kamen wir wieder in Kontakt. Enger als jeh zuvor. Und wie es bei netten Menschen so ist – wenn sie wirklich nett sind, sind sie das im Job ebenso wie privat. Hasis Mutter war im Jahr 2009 an metastasiertem Lungenkrebs verstorben und typisch Hasi, hatte sie sich intensivst in die Thematik eingearbeitet. Ich bekam aus unerwarteter Ecke Empathie und jemanden, der ziemlich genau wusste worum es geht. Auch als ich begann, mir Gedanken über ein Blog zu machen. Beinahe wie in alten Zeiten sprachen wir über das Konzept und mögliche Vorgehensweisen. Ganz anders als in den guten alten Zeiten haben wir uns aber auch gegenseitig unser Leid geklagt, was die Möglichkeiten betrifft, mit Ü50 – krank oder gesund wieder oder weiter – in unserer Branche zu arbeiten…

 

Ich bin „Hasi“ (Ulrike Esser-Hasivar), wie Yvonne Anfang 50 und blicke ebenso wie sie auf rund 30 Jahre Berufserfahrung zurück. Anders als Yvonne, die als Texterin zu den so genannten „Kreativen“ gehört, bin ich Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing und habe mich sowohl in Werbeagenturen als auch in der Industrie ausgetobt. Außerdem bin ich Läuferin, Golferin, Skifahrerin, Sängerin…bei all dem Perfektionistin… und ich bin gesund!

 

   

 

 

Von Frust und Leidenschaft als Marketeer und Werber!

 

„Seit 2013 bin ich selbstständig als Inhaberin der UEH! Agentur für Brand-Marketing. Ich synchronisiere Menschen mit ihren Unternehmensinhalten und Markenwerten im Bereich technischer und erklärungsbedürftiger Produkte und Dienstleistungen, vorzugsweise im B2B (Business2Business)-Sektor!

Das tue ich auf Basis langjähriger Erfahrung als Marketing- und Kommunikationsfachfrau mit allen Instrumenten des Marketing-Mix. Auf Grundlage einer eigenen bewährten Methode führe ich fundierte strategische Analysen der Unternehmens-/ Produktpotentiale durch, erarbeite daraus saubere Differenzierungsmerkmale und schaffe so echte, synchronisierte Inhalte für die Kommunikation, die ich dann in Konzepte umsetze. So erziele ich eine messbare und nachhaltige Steigerung der Bekanntheit eines Unternehmens und seines Images, was zu mehr Unternehmenswert und damit zu mehr wirtschaftlichem Erfolg führt. Dafür arbeite ich mit 5 Modulen zur Strategie plus Kreativleistungen für jede Unternehmensgröße zu fairen Preisen!“

 

 

So oder so ähnlich stelle ich mich meinen potentiellen Kunden vor. Mal mit mehr mal mit weniger Erfolg. Zur Zeit gehen mir aber die Kunden aus, denen ich mein Sprüchlein aufsagen könnte – und das hat zu einigen Grundsatzüberlegungen geführt.

 

Ja, die Freiheit als Freiberuflerin oder Selbstständige ist schön,

und wenn es läuft hat das viele positive Aspekte:

  • arbeiten wo und wann man möchte
  • Projekte annehmen, die einem liegen und hinter denen man steht
  • keine Reportings an eine übergeordnete Stelle
  • Neues ausprobieren
  • v.m.

Aber: Es kommen auch die Durststrecken

– darüber muss man sich bei aller Freude um die Vorteile im Klaren sein:

  • finanzielle Verpflichtungen laufen weiter, auch wenn der Rubel gerade nicht so rollt
  • Lifestyle und Freizeitgestaltung müssen angepasst werden
  • Projekte müssen angenommen werden, die man lieber ablehnen würde
  • Mahnungen und unangenehme Inkassoverfahren müssen früh eingeleitet werden,

auch auf die Gefahr hin einen Kunden zu verlieren

  • was wenn man krank wird und monatelang ausfällt?
  • v.m.

 

Ich persönlich würde mich in einem Angestelltenverhältnis sehr viel wohler und auch sicherer fühlen – vor allem würde ich mich lieber auf Inhalte, statt auf die Akquise konzentrieren. Aber so einfach ist das nicht. Und mit Ü 50 erst recht nicht!

 

 

Glanzvolle Vergangenheit – und heute ist der Lack ab?

 

„Mit 20 zu jung, mit 30 zu schwanger. Mit 40 zu teuer, mit 50 zu alt…

so denken die Personalentscheider leider immer noch“, schreibt eine Fachjournalistin.

 

Dabei habe meinen Traumjob gefunden und darin auch bereits meine Lorbeeren verdient. Dazu ein paar weise Worte aus Steve Jobs’ Stanford Commencement Address 2005:

„Deine Arbeit wird einen großen Teil deines Lebens einnehmen und die einzige Möglichkeit, wirklich zufrieden zu sein ist, dass du glaubst, dass du großartige Arbeit leistest. Und der einzige Weg großartige Arbeit leisten zu können, ist zu lieben, was du tust. Wenn du das noch nicht gefunden hast, dann halte die Augen offen. Mit deinem ganzen Herzen wirst du wissen, wenn du es endlich gefunden hast. Wie jede Beziehung wird sie mit den Jahren immer besser werden. Also halte danach Ausschau, bist du es findest. Gib dich nicht mit weniger zufrieden.”

 

Ebenso wie Yvonne als so genannte „Kreative“ hatte auch ich als Marketingfrau genau das gefunden, was ich machen wollte und will… 25 Jahre lang habe ich alles gelernt und geleistet, was man in der schillernden Glitzerbranche Werbung (heute Communications) lernen, leisten und wissen muss. Von der Agentur-Kontakterin bis zur Leiterin Marketing-Kommunikation unter dem Vorstand eines Großkonzerns und heute mit meiner One-Woman-Agentur – immerhin für Marken wie BAYER, DAIMLER und Konsorten…

 

Ja, ja, als es der Branche noch gut ging und nicht jeder meinte, Marketing sei Blechkuchen ausgeben und Flyer verteilen oder er könne Werbung selber machen, solange er nur das richtige Grafikprogramm habe, ging es unserer Spezies mehr als gut! Ich habe bei Preisverleihungen neben Stars und Sternchen gesessen, bin Porsche gefahren und hab’ ordentlich Geld rausgehauen. Was kostet Lacostet die Welt , es spielt ja doch keine Rolex…

 

 

Ich habe für meinen Agenturjob gebrannt – bis ich ausbrannte

 

Unter einem cholerischen, wenn auch hochkreativen Genie als Agenturchef zu arbeiten kostet neben viel Lebenszeit auch eine Menge Nerven, die ich irgendwann einfach nicht mehr hatte. Eines Morgens wachte ich weit vor der Zeit auf mit Sprachstörungen, taubem rechten Arm, prickelndem rechten Bein und panischer Angst. Was sich zunächst wie ein Schlaganfall anfühlte, stellte sich nach Klinikaufenthalt und „auf den Kopf stellen“ als meine erste, fette Panikattacke heraus. Hervorgerufen durch den physischen und psychischen Stress der letzten 6 Agenturjahre. Ich fiel arbeitsmäßig aus, nahm Medikamente und ging zur Therapie. Es gab für mich kein Zurück in die Agentur, wenn ich nicht meine Lebensqualität vollends riskieren wollte.

 

 

In der Industrie als Stellvertretende und später als Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Wettbewerb „befuhr“ ich dann weitaus ruhigere Fahrwasser. Leider wurde ich mit dem Vorstand und seinem gesamten Stab nach nur einem Jahr in TOP-Position mehr oder weniger unfreiwillig ins kalte Wasser der Selbstständigkeit geschmissen.

 

Zu teuer, zu unangepasst, zu alt… man muss keinen Krebs haben, um beruflich ausselektiert zu werden, es reicht schon, eine Frau über Fünfzig zu sein, die sich zudem nicht alles gefallen lässt!

 

Mit 50+ – auch wenn ein stetiger Aufstieg im Lebenslauf zu verzeichnen ist sowie viele Jahre in Stabsfunktionen und als leitende Angestellte – ist das Finden einer adäquaten Position in dieser „berufsjugendlichen“ Branche in der heutigen Zeit schwierig. Böse Zungen behaupten gar, man gehöre als Angehöriger der Spezies Frau & 50+ zu einer „arbeitsmarktpolitischen Randgruppe“. (Yvonne und ich haben aber entschieden, diese Aussage mal nicht persönlich zu nehmen.) Es stellt sich dennoch die Frage: woran liegt’s?

 

Natürlich hat die Arbeitsmarktsituation innerhalb der Branche mit dem Alter zu tun (von wegen AGG – Allgemeines Gleichstellungsgesetz) und mit angenommener niedrigerer Belastbarkeit bei höherem Gehalt. Hinzu kommt die inzwischen übliche Geringschätzung der Profession „Kreativer“ oder „Marketeer“. Denn Marketing wird (wie oben schon erwähnt) oft mit Werbemittelbeschaffung gleichgesetzt. Und schließlich kann jeder nebst bunten Bildchen für Printmedien zusammenzuschustern auch so etwas wie bspw. eine Webseite selber bauen (dank CMS – Content Management Systeme, kurz Inhaltsverwaltungssysteme, deren Software es ermöglicht Inhalte (Content) in Webseiten oder anderen Medienformen zu erstellen, zu bearbeiten und zu organisieren).

 

Bei den fest angestellten Tätigkeiten in einer Werbeagentur wird’s eng – und jenseits der 50 braucht man in dieser Branche eigentlich auch gar nicht mehr darüber nachzudenken.

 

Wer will schon 25 Jahre Erfahrung bezahlen? Und das auch noch in einem Bereich, dessen Ergebnisse der Laie für nicht oder nur unzureichend messbar hält. Was man der Generation 50+ mehr ausschütten müsste für strategische, konzeptionelle und operative Tätigkeiten (welche die Youngsters ohne oder mit nur wenig Erfahrung gar nicht leisten können), steckt man in die langjährige, innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung der Jüngeren. Für eine führende Position reicht Zitat Anzeige: „Wir erwarten erste oder eine 3-jährige Berufserfahrung als…“ Unterm Strich heißt das für Unternehmen aber: Mehrere Jahre weniger Effizienz und am Ende auch monetärer Verlust. Da wäre es doch eine Idee, man nähme erfahrene Mitarbeiter in die vakanten Positionen, die den jüngeren KollegInnen als Mentoren zur Verfügung stehen, bis sie soweit sind. Und immerhin brenne ich schließlich noch immer für meinen Beruf – oder vielmehr tue es wieder und deutlich reifer und fokussierter.

 

So lange die Unternehmen nicht umdenken, bleibt mir und vielen anderen nur „raus aus der Komfortzone“ und rein die Selbstständigkeit, denn auch Ü50-Jährige müssen (noch) Geld verdienen – zudem möchte nicht jeden Tag das Gefühl vermittelt bekommen, dass der Lack längst ab ist und ich zum alten Eisen gehöre.

 

Leidenschaft und Wille sind das was zählt – und zwar unabhängig vom Alter. Leidenschaft für die Sache, die man macht, weil man sie gerne macht, motiviert. Man ist kreativer und engagierter. Ich weiß inzwischen aber auch, dass Leidenschaft nicht ausreicht. So gilt auch für mich – ohne lebensbedrohliche Krankheit – eine Taktik zu überlegen, die dabei hilft Hoffnung und Mut nicht zu verlieren!

 

Ja, mir ist bewusst, es geht nur! um Job. Und die meisten, die das hier lesen müssen sich noch ganz anderen Herausforderungen stellen. Trotzdem glaube ich, nein, ich weiß, dass Arbeit hilft – sofern man sie gesundheitlich noch ausüben kann. Finanziell natürlich, aber auch, um ein bisschen abgelenkt zu sein und schließlich für das Selbstwertgefühl.

 

Ich weiß nicht, woher Yvonne ihre Kraft nimmt – aber Euch allen wünsche ich ein Stück von ihrem Löwenherz für alles was Ihr zu meistern habt. Und danke Yvonne, dass ich hier schreiben durfte!

 

Es grüßt

HASI

 

 

 

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