Mit betroffen

 

Der Partner, die Eltern, Geschwister und Freunde (*) – alle im näheren Umfeld sind irgendwie auf die eine oder andere Art von Deinem Krebs mit betroffen.

*Die Kinder bedürfen einer eigenen Betrachtungsweise,

daher beziehe ich sie an dieser Stelle nicht mit ein.

 

Mit betroffen?! Was bedeutet das eigentlich?

Betroffenheit ob der Diagnose und ihrer ausweglosen Konsequenz? Mitleid in Anbetracht dessen, welches Leid diese mit sich bringt? Natürlich all das und noch viel mehr…

Mitbetroffene müssen es aushalten, wie es der Betroffenen gerade geht – körperlich und seelisch. Und das tut weh. Es tut weh, einen lieben Menschen leiden zu sehen, es tut weh an den drohenden Verlust zu denken…

 

Betroffenheit 

…wird erzeugt durch Ereignisse, die – persönlich, räumlich und zeitlich nah – unerwartet mit zentralen Aspekten des Selbst assoziiert sind.

 

Mitleid

…ist ein Gefühl der Anteilnahme, des Bedauerns gegenüber Menschen, die sich in einer unglücklichen Situation oder Verfassung befinden.

 

Aber wir Krebsies können uns nicht wirklich etwas für „Betroffenheit“ oder „Mitgefühl“ kaufen – Blümchen, Erkundigungen nach dem Befinden mit glasigen Augen, herzliche Umarmungen und Motivationssprüche in allen Ehren – nicht jedem ist es gegeben, Empathie zu empfinden oder gar danach zu handeln. Und das ist genetisch bedingt und nicht erlernbar.

 

Empathie

…wird gemeinhin – aber fälschlicherweise – zu Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gezählt.

Die neuere Hirnforschung legt allerdings eine deutliche Unterscheidbarkeit des empathischen Vermögens vom Mitgefühl nahe. Nach Erkman handelt es sich weder um Mitgefühl noch um Mitleid, sondern um Reaktionen auf die Emotion eines anderen Menschen.

Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.

Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung – je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch die Gefühle anderer deuten.

Empathie ist ein Segen und ein Fluch. Die Bereitschaft, sich darauf einzulassen und gar danach zu handeln eine Königsdisziplin des Zwischenmenschlichen.

 

Fakt bleibt allerdings: ganz gleich wie nahe einem jemand steht – jeder bleibt ein Außenstehender. Niemand, der keinen Krebs hat, weiß, wie sich anfühlt Krebs zu haben – weder physisch noch psychisch. Und trotz aller mildernden Umstände ist fühlt man sich persönlich getroffen, wenn sich die Betroffene mies benimmt. Wenn sie unerwartet ungehalten reagiert, vielleicht auch mal zynisch und sarkastisch. Wenn sie nicht nachfragt wie es einem denn selbst so geht – nicht zum Geburtstag gratuliert, vergisst bei wichtigen Ereignissen nachzufragen, sich herausnimmt unzuverlässig, unpünktlich und unsozial zu sein. Nicht gleich Bescheid gibt was die aktuellen Untersuchungen ergeben haben. Und manchmal ewig nichts von sich hören lässt…

 

„Konzentriere Dich jetzt mehr auf Dich als auf andere“ ist leicht gesagt,

fühlt sich aber ganz und gar nicht gut an, wenn einem dieser gute Rat (obwohl man ihn ja selbst gegeben hat)

plötzlich in den Rücken fällt.

 

Wie also als Außenstehender Anteilnahme bekunden?

Anteil nehmen? Anteil haben? Und die Bereitschaft signalisieren gegebenenfalls sogar einen Anteil von sich selbst aufgeben…

Den Krebs des anderen nicht persönlich nehmen.

Nicht Du, sondern sie hat die Erkrankung.

Da sein. Und nichts erwarten!

Manches Mal wird es einfach keinen „return on invest“ geben.

 

 

 

 

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