Schluss jetzt?

Hella 

 

Oh Mann, bei mir ist schon wieder alles am wachsen……
In der Leber ist eine dazugekommen, in den Lymphknoten im Brustkorb, der Pleuraerguss ist wieder da, plus eine Metastase in der selben Ecke……
Wusste ich auch ohne CT.

Das Familienfest war jedenfalls super grandios dank Alkohol……

Lag allerdings schon um 21 Uhr, weil ich mir mal erlaubt hatte zu tanzen – tut mir immer noch alles weh.

Aber echt jetzt, ich habe so unglaublich die Schnauze voll von Schmerzen und allem.
Rick Simpson Hanföl vertrage ich nicht, und den andern Scheiß aus der Chemo-Ecke sowieso nicht……
Ich bin so traumatisiert von allem…

Ich bin auch zu müde, um wieder durch ganz Deutschland zu gurken,

um wieder was zu finden was hilft……
– kann auch diese Komplementär-Schiene nicht mehr bezahlen……
Wahrscheinlich hilft außer Chemo sowieso nichts……

Aber dann ist wieder komplett alles im Arsch!
Pest oder Cholera ?!

Ich bin so auf und habe diesen bösartigen Haufen Scheiße so satt !
Dann halt wieder Chemo…… aber niedrig dosiert – das hält mein Körper sonst nicht aus.
Ist eh alles nur experimentell……

Klappt die eine Chemo nicht kommt die nächste…… aber immer Gift!

Und wir in unserem fortgeschrittenen Zustand sind ja viel empfindlicher als die mit Erstdiagnose.

Kopf an Kopf Rennen, ob ich jetzt durch die Therapie abkacke oder durch Krebs……

doch den Krebs geht’s halt schneller.

Das soll also mein Leben sein……Todesangst 24/7……

Das wollte ich kurz ablassen.
Bitte keine „mach sie platt „ oder du schaffst das“ Kommis

– danke, weil ich mach gar nichts platt und zu schaffen ist das auch nicht……
Ich drück euch.

 

 

Klaudi

Die Krankheit ist einfach ein Haufen Sch…, der uns alle früher oder später verschütten wird. Da brauchen wir nichts schönreden. Ich verstehe Dich nur allzu gut; und eine Entscheidung zu treffen, wie’s nun weitergehen soll, ist immens schwierig. Geh Deinen Weg…

Ich kann nicht viel für Dich tun – aber ich schicke Dir zumindest eine liebe Umarmung.

 

Klara

Bei mir ist auch Wachstum, will keine iv Chemo mehr, da die bisher so gut wie nicht wirken. 2018 wird bei mir auf dem Grabstein stehen… aber ich habe keine Wut, keine Verzweiflung, keine Angst.

 

Nadine

Bei mir sieht es auch nicht so rosig aus!!! Alles wächst. Meine Lymphknoten spielen total bekloppt, einer am Kiefer tut weh und ist dick. Ab Januar neue Chemo.
Ich tu das alles für mein Kind und meinen Mann, will noch nicht gehen.

 

Klara

Irgendwie tut’s gut zu lesen, das andre auch denken 2018 ist das letzte Jahr. Nicht falsch verstehen. Ich gönne jedem Genesung, seinen Stillstand, sein Durchhaltevermögen mit diesen üblen Chemos, aber irgendwie tut’s gut nicht alleine dazustehen.

Bestrahlung mach ich noch und Xeloda würde ich so gerne weiter nehmen, da ich das gut vertrage – aber es wirkt nicht.

 

Hella

Ja scheiße ist das…… das liegt daran, dass die Zellen immer wieder mutieren und resistent werden – deswegen wirkt etwas auf einmal nicht mehr…… wie unglaublich intelligent diese Zellen doch sind…… ein System im System, das Leben will…… ABER WIR AUCH !

 

Mira

Ich kenne das. Echt kacke alles!!
Und das mit dieser Komplementär-Medizin ist alles echt teuer. Mein ganzes Erspartes ist dafür draufgegangen.

Du hast so süß getanzt in Deinem Video. Da würde man Dir das alles gar nicht ansehen…
Verstehe aber auch, dass du die Sprüche „das schaffst du“ usw. nicht mehr hören kannst.

 

Bea

Gerade gestern hab ich überlegt, dass ich für 2018 einen neuen Mutspruch brauche und habe für mich: Ich glaube an mich! gefunden. Aufgeben? Das Universum gewinnen lassen? Nee, nix für mich. Habe auch gesehen wie du so schön getanzt hast und voller Freude warst. Ich wünsche Dir sehr, dass Du Deinen Mut wiederfindest!

 

Diane

Ja, ist schon ein ganz großer Mist! Fühl dich gedrückt.

 

Hella

Irgendetwas muss ich aber machen, um wenigstens noch Italien mitzunehmen.
Aber vom Gefühl her weiß ich, dass es eng wird……
Selbst im Herz ist ein Miststück – die Meta war weg und ist jetzt wieder da.

 

Jasmin

Ich finde diese Zwickmühlen-Situation auch furchtbar. Machste keine Therapie, stirbste, machste Therapie lebste vielleicht länger, aber in welchem Zustand? Das ist alles bitter!!! Auch wenn ich nicht immer soviel schaffe, wie früher und dann traurig bin, so müssen wir ja immer den nächsten Schritt gehen.

Ich habe nach meiner Bestrahlung hochdosiert Curcumin als Infusion bekommen, weil ich gemeint habe, dass ich eine weitere Chemo nicht überlebt hätte.

Ich bewundere Deine offene Art, mit der Situation umzugehen. Bleib noch ganz lange da!

 

Mira

Wir alle gehen diesen Scheiß-Weg – und ich habe mich schön öfters gefragt wie weit ich gehen würde. Aber das weiß ich noch nicht, da ich noch am Anfang stehe. Alles was wir tun, ist ein Kampf um ein wenig mehr Zeit. Aber jeder Schritt kostet sehr viel Kraft.

 

Bille

Ich habe auch das Gefühl, dass ich 2018 gehen werde. Seit Juli geht es mir viel schlechter und im September wäre ich fast gestorben. Meine Metastasen haben sich sehr stark ausgebreitet. Unzählbar in den Leberkappen und Knochen und die Lunge ist auch noch hinzugekommen. Die Chemotherapie kann nur noch dosisreduziert gegeben werden, weil mein Knochenmark von den Chemos zerstört ist. Neue Metas an Lymphknoten und Bauchspeicheldrüse sagen auch nichts Gutes aus. Und trotzdem habe ich mich wieder aufgerappelt. Ich habe in diesem Semester in der Universität nur zwei Seminare ausfallen lassen, bin in Sachen Brustkrebs zu Veranstaltungen gefahren, um aus meinen Büchern zu lesen oder Interviews zu geben. Und ich war trotzdem auf Reisen, oft unter schweren Bedingungen und mit Schmerzen im Rollstuhl oder mit Rollator. (17.05.1955-29.06.2018)

 

Saskia

Wenn das Ibrance versagt, bin ich echt am überlegen nichts mehr zu machen. Ob ich mich das dann tatsächlich traue, ist wieder ne andere Geschichte. Ich würde wirklich zu gerne wissen, ob man mit oder ohne Chemo länger lebt.

 

Chris

Wie willst du das herausfinden, ob du mit oder ohne Chemo länger lebst? Dann bräuchtest du einen Klon von dir. Ich weiß nicht, ob ich das wagen würde. Hab ja nun auch schon lange Ruhe, aber ich würde mich sicher wieder auf Chemo ver/einlassen. Wie oft, wie viele und wie lange, das ist dann wohl situationsabhängig…

Noch eine Überlegung: Selbst wenn es eine Studie mit Probanden gäbe, die bereit sind keine Therapie zu machen, wo ist die Vergleichsgruppe? Jeder Körper und jeder Krebs ist anders. Ich denke jede/r muss das für sich mit seinen eigenen Beweggründen selbst entscheiden. Für mich kann ich sagen, ich stimme den Therapien zu, solange ich wertvolle Gründe hier in diesem Universum finde, zum Weiterleben und solange mir die Therapie meine Lebensqualität nicht total zerstört. Diese Punkte sind natürlich für jeden Menschen individuell.

 

Kerstin

Seit meiner Meta-Diagnose 03/16 überlege ich auch immer wieder, ob ich weitermache oder nicht. Und das, obwohl ich super auf die Chemo angesprochen habe. Bin seit Nov. 16 ohne Chemo, nur Antihormontherapie und Zometa-Infusion. Jetzt sind meine Tumormarker langsam wieder am Steigen – noch so wenig, dass mein Onko noch total tiefenentspannt ist, aber ich weiß, dass vermutlich in den nächsten Monaten eine Therapieumstellung ansteht. Und der Gedanke an eine nächste Chemo widert mich dermaßen an…
Aber ich habe zwei kleine Kinder (6 und 7), und für die kämpfe ich.

 

Marika

Ich hatte im Herbst 7 Wochen (Zwangs-)Chemopause. Gegen Ende bekam ich einen Aszites, der schon drei mal punktiert werden musste. Vor vier Jahren hatte ich fast einen Darmverschluss mit einer in den Dickdarm eingewachsenen Meta, 2/3 vom Dickdarm mussten raus. Und 2016 hatte ich 5 Monate eine Harnleiterschiene weil eine wachsende Metastase drauf gedrückt hat…
Ja, Chemotherapie ist widerlich, aber in allen drei Situationen habe ich sie mit Handkuss genommen, weil jede meiner Chemos mit allen Nebenwirkungen immer noch besser war als diese Komplikationen.

Es ist nicht so, dass man ohne Chemotherapie lediglich weniger lange lebt, sich irgendwann hinlegt, Schmerzmittel bekommt und dann stirbt. Da passieren vorher ganz andere Dinge!

In manchen Situationen hat man dann tatsächlich gar keine andere Wahl, als mit Chemo seine Beschwerden in den Griff zu bekommen. Allein die Belastung durch einen Aszites ist die Hölle. Und da hilft keine besondere Ernährung (ich kann z. B. kaum irgendetwas essen). Da hilft nur eine Chemotherapie. Oder, wenn man Glück hat, Antikörper, Immuntherapie o.ä. … und ich werde alles mitnehmen, was die Schulmedizin bietet.

Was ich oben beschrieben habe, waren allerdings Folgen von unfreiwilligen Zwangs-Pausen. Pausen würde ich trotzdem immer wieder machen. Dabei kreisen meine Gedanken um Fragen wie „ohne Chemo 5 Monate gut Leben“ oder „mit Chemo 10 Monate mit schlimmen Nebenwirkungen, aber ohne Progression“… Progression kann eben auch sehr schnell zu sehr üblen Zuständen führen.

Ich habe die Pausen gemacht, wenn die Tumormarker ganz niedrig waren und auf den Bildern nichts zu sehen. Dann ist es ja auch (fast) leicht, nichts zu machen. Aber endgültig zu sagen, ich mache keine Chemotherapie mehr, das könnte ich nicht. Denn da steht immer die Hoffnung, dass mein Leben länger weiter geht, und vielleicht auch besser, wenn ich eine Therapie mache, so lang diese wirkt.

 

Ann

Ich stehe zwar am Anfang der Meta-Diagnose – aber ich denke jede von uns steht irgendwann vor der Frage, ob sie weitermachen soll oder will. Wahrscheinlich die Schlimmste im Verlauf der ganzen Metageschichte.

Ich habe mir kurz nach der Diagnose die Frage gestellt, ob ich mit meinem bisherigen Leben glücklich war, ob ich etwas vermisse und ob ich noch etwas unbedingt erledigen muss. Diese Überlegungen habe ich vollkommen unabhängig von meiner Tochter (16, ich bin alleinerziehend) und der restlichen Familie gemacht. Klingt vielleicht äußerst egoistisch, doch ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich alles in meinem Leben erreicht habe. Dazu zählen keine materiellen Dinge. Ich liebe aus tiefsten Herzen und ich werde aus tiefsten Herzen geliebt.

Meine Tochter liebe ich natürlich über alles. Ich habe sie auf einen guten Weg gebracht und bin super stolz auf dieses Kind, sie ist eine ungewöhnliche junge Frau. Ich weiß natürlich, dass ich meine Familie und meine Freunde nicht vor ihrem Schmerz und der Trauer schützen kann. Irgendwann wird meine Tochter ohne mich im Leben stehen. Aber sie wird daran weiter wachsen. Bis dahin kann ich sie nur bitten, meinen Weg zu begleiten.

2017 ist sogar ein länger gehegter Wunsch erfüllt worden: ich habe endlich einen wundervollen Mann getroffen mit dem ich liebevoll verbunden bin. Wir führen zwar keine offizielle Beziehung, es ist aber eine äußerst liebevolle Affäre. Und er bleibt trotz Metastasen.

Aber es geht nicht nur um Liebe im Bereich Partnerschaft oder Familie – ich liebe irgendwie bewusster und alles umfassend, fühle mich mit den Menschen in Liebe verbunden. Das lässt mich mit vielem meinen Frieden finden.

 

Lilo

Was passiert, wenn der Wunsch da ist, nochmal den nächsten Frühling zu erleben oder irgendetwas anderes – aber gleichzeitig auch der Wunsch da ist nach Frieden, Erlösung und in Ruhe zu sterben? Ich denke, dann ist der Zeitpunkt gekommen, sich von allem Äußeren frei zu machen – und in sein tiefstes Inneres hineinzuhorchen… Vielleicht gibt es im Leben doch diesen Punkt, an dem wir das Sterben friedvoll in den Arm nehmen und den Tod als Teil des Lebens betrachten können. Das wünsche ich mir auf jeden Fall für mich selbst. Bis dahin lebe und liebe ich mein Leben.

 

 

 

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